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Bereits in der Zwischenkriegszeit gab es in Kärnten ein reges Volkstanzleben; verantwortlich dafür waren zunächst Roman Meier, Anton Traunig, Simon Pratnecker und Ernst Wlattnig, die eine Reihe von Volkstanzkursen abhielten. Als Mitte der 1930er Jahre die Zoder-Schüler Franz und Mirl Grall und Franz Koschier nach Kärnten kamen, begannen sie sogleich mit aktiver Volkstanzpflege in Anlehnung an Zoders Methoden. Die ersten Volkstanzwochen, Volkstanzfeste und Tanzleiterschulungen wurden organisiert. Gerade diese Anfänge der Pflege sind für den gesamtösterreichischen Überblick von besonderem Interesse. Von der Analyse der im Volkstanzarchiv Kärnten verwahrten Aufzeichnungen – Teil des Volksliedarchivs im Volksliedwerk – wo sich neben Sekundärliteratur handschriftliche Tanzaufzeichnungen z.B. von Roman Maier, Franz Koschier, Martin Kordasch und Klaus Fillafer befinden, erwarten wir wertvolle Erkenntnisse betreffend des Vorgangs der Überlieferung von volkskulturellem Kulturgut. Das Volkstanzarchiv in Klagenfurt ist nicht nur für Kärnten, sondern für die gesamtösterreichische Betrachtung von Interesse. Die Methoden der Aufzeichnung und die Weiterverarbeitung der Quellen in Form von Publikationen sollen analysiert werden. Inwiefern fand der Zeitgeist – die gesellschafts- und kulturpolitischen Zusammenhänge - Eingang in Forschung und Pflege? Welche Auswirkung hatte die Vorreiterrolle Kärntens auf die Volkstanzpflege in den übrigen Bundesländern? Die Frage ist auch in Bezug auf die Forschung, ob es vor Zoders Veröffentlichung der „Altösterreichischen Volkstänze“ (der erste von drei Bänden erschien 1922) bereits Forschungen in Kärnten gab, oder ob auch hier, wie in den meisten anderen Bundesländern, die entscheidenden Impulse von Wien (Zoder und seinem Umfeld) gekommen waren. Die Volkstanzforschung wurde während des 2. Weltkrieges weitergeführt; noch 1938 erschienen als erste Zusammenfassung der bis dahin aufgezeichneten Tänze die „Kärntner Heimattänze“ und 1941 folgte eine Darstellung der Tanzspiele und Spieltänze. Diese Veröffentlichungen wurden in den Folgejahrzehnten als Grundlage der Volkstanzpflege in Kärnten betrachtet und sollen nun eingehend auf eventuelle tendenziöse Inhalte analysiert werden. Welche Auswirkungen hatte der Zweite Weltkrieg auf das volkstänzerische Geschehen, auf die Volkstanzforschung insgesamt? Nach dem Krieg übernahm das Kärntner Bildungswerk die Pflege des Volkstanzes und führte Tanzkurse, Tanzleiterausbildungen, Tanzabende und Tanzfeste durch. Daneben waren der Landestrachtenverband, die Kärntner Landsmannschaft und die Landjugend pflegerisch tätig. Die Turnerseewoche wurde Mitte der 1970er Jahre vom bundesstaatlichen Volksbildungsreferat betreut. Wie gestalteten sie ihre Volkstanz vermittelnde Arbeit, wer waren die Initiatoren und welche Motive standen dahinter? Charakteristisch für Kärnten ist die Mehrgleisigkeit der pflegerischen Tätigkeit. Nicht ein Verband bemüht sich um die gesamte Volkstanzpflege sondern mehrere Verbände und Gruppen. Darunter befindet sich auch die ARGE Volkstanz Kärnten, die sich vor allem seit Mitte der 1980er Jahre um Sammlung, Forschung und Dokumentation bemüht und vielfach als Impulsgeber für die Volkstanz pflegenden Verbände fungiert. Sie publiziert auch Schulungsmaterial und organisiert Seminare und Kurse. Mit Dr. Klaus Fillafer erlebte die Forschung in Kärnten in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung. In diesem Zusammenhang ist auch das Volkstanzarchiv im Kärntner Volksliedwerk entstanden, dem im Rahmen des Projektes verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden wird. Besonders interessant ist aus kulturgeschichtlicher Sicht diese Entwicklung der Volkstanzkultur innerhalb mehrerer verschiedener Verbände; Volkstanz erlebt dabei unterschiedliche Formen der Nutzung und Prägung, die einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden sollen. Verändert sich Volkstanz dadurch und wenn ja, wie? Welche Rolle übernimmt Volkstanz in sozialer Hinsicht? Die Volkstanzkultur Kärntens zeichnet sich durch die Pflege einer Reihe von „Tanzgroßformen“ aus. Den größten Bekanntheitsgrad dürfte der „Hüttenberger Reiftanz“ für sich verbuchen. Beim Blick auf die Entstehungsgeschichten dieser Großformen gilt es unter anderem auch ihre Funktion im gesellschaftlichen Kontext etwa als Repräsentanten einer Regionalkultur näher zu betrachten. Ein Thema der Publikation wird sich mit der Volkstanzkultur von Minderheitenkulturen beschäftigen, so auch mit jener der Kärntner Slowenen. Die Frage wird in dem Zusammenhang u.a. die nach der Rolle des Volkstanzes als Identitätsträger sein. Welche Tradierung erlebt Volkstanz von Minderheitenkulturen? Gibt es neben mündlicher auch schriftliche Überlieferung? Gibt es Forschungen dazu und wenn ja von wem, wie und wann wurden sie gemacht? Wer sind die finanziellen Förderer? Erhält Volkstanz eine politische Aussagekraft in Form einer Protestkultur? Zurück zum Anfang |
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Projektleitung: Mag. Waltraud
Froihofer.
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