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Oberösterreich hat sich als das Kernland des „Landlers“ einen Namen gemacht. Schon früh wurden hier erste Forschungen unternommen und Volkstänze aufgezeichnet. Hermine Zeitlinger, Hans Commenda (Volkskundler und Lehrer, Begründer des OÖ Volksliedwerkes, 1946-54 Volksbildungsreferent für OÖ), Karl Horak, Hermann Jülg, Ernst Hamza (geboren 1885 in Wien) und natürlich Raimund Zoder waren ab der Zeit vor dem ersten Weltkrieg forschend unterwegs. Später schloss sich ihnen Hermann Derschmidt an. Das reichhaltige Material floss in zahlreiche Publikationen ein und wurde Basis der unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg um sich greifenden Volkstanzpflege in Oberösterreich. Neben den Aktivitäten einiger dominanter Volkstanzgruppen war hier die Landwirtschaftskammer an der Förderung der Volkstanzkultur massiv beteiligt. Speziell Lehrer wurden als Tanzleiter ausgebildet. Auch Landjugendgruppen wurden zu Tanzkursen geladen. Nicht unumstritten war die Einrichtung des „Wertungstanzens“. Auch die ersten Tanzfeste wurden auf Betreiben der Landwirtschaftskammer Anfang der 1950er Jahre veranstaltet. In Linz entstand über das Wirken der Volkshochschule eine blühende Volkstanzszene. Daneben war auch die Wandervogelbewegung im Bereich des Volkstanzes aktiv. Vertiefend gilt es sich nun mit der Entstehung der Forschung in Oberösterreich und mit der Geschichte der Landleraufzeichnung, die bis in die Gegenwart reicht, auseinanderzusetzen. Wie erfolgte sie, welchen Interessen versuchte sie nachzukommen, welche Methodik kam zur Anwendung, wie wurde das gesammelte Material verwertet? Solche und ähnliche Fragen sollen beantwortet werden, um einerseits Stärken und andererseits Schwächen dieser frühen Forschungen herauszufiltern. Wir erhoffen uns dadurch weiters wichtige Antworten auf die Frage der Überlieferung der Volkstanzkultur und ihre Konstruiertheit. Die Tradition der Forschung an sich ist im volkstanzkulturellen Umfeld - verglichen mit anderen Sparten der Volkskultur - einzigartig; hier hat sich eine Laienforschung entwickelt, die seit der Zwischenkriegszeit durchaus mit professionellen Maßstäben ausgeführt wird. Zahlreiche Publikationen mit Notenmaterial sind in Oberösterreich, zuletzt vor allem durch Volker Derschmidt, veröffentlicht worden. Ebenso die Tanzform des Landlers mit seinen historischen Hintergründen müssen einer Betrachtung unterzogen werden, handelt es sich dabei doch um die figurenreichsten Tänze im traditionellen Tanzrepertoire. Ihren Zusammenhang mit den Zechgemeinschaften und Männerbünden gilt es unter gegenwärtigen wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu befragen – auch der Umstand, dass es in den 1980er Jahren einer Neubelebung des Zechenwesens kam. Hierbei ist interessant, inwiefern dies Auswirkungen auf den Landler hatte. Von Bedeutung ist auch der sogenannte „Welser Fund“ – 1955 in Wels entdeckte Tanzbilder, die Schätzungen zufolge aus der Zeit um 1500 stammen sollen. Im Rahmen des Projektes soll auch nach der Verbreitung des Landlers und seiner Formen gefragt werden. Lässt sich Oberösterreich als die „Landler-Region“, als Verbreitungsursprung festmachen? Immerhin sind Landlerformen im gesamtösterreichischen, im schweizerischen und im süddeutschen Raum zu beobachten. Soziokulturelle Verbreitungswege sollen mittels historischer Quellen nachvollziehbar gemacht werden. Richard Wolframs Fragebogenerhebung im Rahmen des Österreichischen Volkskundeatlasses (Kommentar erschienen 1975) muss diesbezüglich einer differenzierenden Betrachtung unterzogen werden. Auch die geschichtliche Entwicklung des „Schuhplattlers“, der in der Fachliteratur ebenso wie der „Steirische“ zu den Hauptformen des „Ländlers“ gezählt wurde, ist von Interesse. Neben der Aktualisierung der historischen Zusammenhänge, der Verbreitung und Abwandlung dieser repräsentativen Tanzformen, ist es ihre symbolhafte Nutzung, die eine zentrale Fragestellung des Projektes sein wird.
Inwiefern dienten repräsentative Volkstänze als nationale Identitätsträger in der Zwischenkriegszeit und als nationale Sympathieträger nach dem Zweiten Weltkrieg? Welche Formen der Nutzung innerhalb und außerhalb des Einflussbereichs der Volkstanzpflege können beobachtet werden und wie beeinflusste dies wiederum die Tänze selbst? Inwiefern trugen repräsentative Tanzformen dazu bei, Volkstanz als Idee (weltverbessernd im Sinne pädagogischer Bestrebungen) in der Gesellschaft zu etablieren? Der weithin bekannt Lois Neuper war im Salzkammergut prägend tätig, das sich eine eigene Tanztradition geschaffen hatte. Im Gegensatz zu anderen Österreichischen Regionen beschränkte man das Tanzkönnen auf vergleichsweise wenige Tänze und bemühte sich um deren Überlieferung. Was sind die Hintergründe dazu? Lois Neuper ist in dem Zusammenhang ein wichtiger Interviewpartner für das Projekt. Erst vergleichsweise spät, nämlich 1981, wurde die „Oberösterreichische Landesarbeitsgemeinschaft für Volkslied, Volksmusik und Volkstanz“ als Teil des OÖ Volksbildungswerkes gegründet. Später wurde sie mit dem Volksliedwerk zusammengeschlossen. Wie ist diese Entwicklung zu erklären, zumal in den übrigen Bundesländern entsprechende Arbeitsgemeinschaften wesentlich früher entstanden? Ist das lange Fehlen einer übergeordneten wissenschaftlich orientierten Organisation mit ein Grund dafür, dass sich regionale Formen in Oberösterreich besonders erhalten konnten? Welche Funktion übernahmen die Heimat- und Trachtenvereine in dem Zusammenhang? Der Verband der Heimat- und Trachtenvereine Salzkammergut beispielsweise wurde bereits 1920 gegründet. Der Großteil der pflegerischen Tätigkeit bestehend aus Tanzleiterschulungen, Funktionärsschulungen und Volkstanzkursen passiert heute im Bereich der Heimat- und Trachtenvereine. Insgesamt soll die Geschichte der institutionalisierten Volkstanzpflege nachgezeichnet und in eine gesamtösterreichische Zusammenschau gebracht werden. Zurück zum Anfang |
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Projektleitung: Mag. Waltraud
Froihofer.
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