Volkstanz Österreich LogoKulturgeschichte des Volkstanzes in Österreich und Südtirol. Ein Projekt der BAG.

Vorarlberg

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Zur geschichtlichen Entwicklung der Volkstanzkultur Vorarlbergs ist bislang nur vereinzelt wissenschaftlich gearbeitet worden.

Der mit Raimund Zoder bekannte Prof. August Schmitt (1861 in Wien geb. – 1933 in Dornbirn gestorben) hat besonders in den 1920er Jahren choreographische und musikalische Volkstanzaufzeichnungen in Vorarlberg erstellt. Seine Forschungen waren Grundlage für die einsetzende Pflege. Neben der Hinterfragung seiner Forschungsmethoden und –ergebnisse, aber auch seiner Biographie ist ein weiterer Aspekt für die Volkstanzgeschichte Vorarlbergs von Interesse, nämlich die Aktivitäten des Heimatschutzes. 1907 kam es zur Gründung des Verbandes „Vorarlberger Museums- und Heimatschutzvereine“, der sich seit Ende der 1920er Jahre verstärkt um die Wiederbelebung der Tracht und der Montafoner Tänze bemühte. Initiator war der Lehrer Johann Wiedering (1874 - 1952). Die Motive der Heimatschutzbewegung waren vielfach von romantischen Vorstellungen geleitet; ihre Bestrebungen in Vorarlberg blieben nicht auf das Montafon beschränkt. Die Zusammenhänge zwischen Schmitts Forschungen und der pflegerischen Tätigkeit des Heimatschutzes gilt es herauszuarbeiten. Als eine weitere Gruppe von pflegerisch Aktiven spielen die Trachtenvereine bis heute eine entscheidende Rolle. Sie sind die gegenwärtig einzige institutionalisierte Gruppe, die sich um die Pflege des Volkstanzes bemüht – ähnliche Gegebenheiten finden wir im Burgenland. Schmitts beratende Tätigkeit bei den Trachtenvereinen gilt es näher zu beleuchten; so erhalten wir detaillierte Einblicke in die Anfänge der Pflege, in ihre Motive, Grundsätze, konkreten Ausformungen und Zurichtungen von Tänzen. Die pflegerischen Aktivitäten aber auch die Bedeutung Trachtenvereine als Identitätsträger heute werden zu beleuchten sein. Biographie und Tätigkeit maßgeblicher Persönlichkeiten in der Volkstanzpflege sollen dargestellt werden. Gesellschaftliche, kulturelle und politische Weichenstellungen und ihr Einfluss auf die Volkstanzkultur und auf den Volkstanz selbst gilt es herauszuarbeiten. Die Bedeutung der Volkstanzkultur im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang ist ebenso zu befragen.

Der fleißigste Forscher im Vorarlberger Gebiet dürfte zweifellos Schmitt gewesen sein. Nach ihm erscheinen forscherische Ambitionen auf den ersten Blick nicht mehr so zentral. Gefragt werden soll im Rahmen des Projektes daher verstärkt nach Volkstanzforschungen ab den späteren 1930er Jahren. Waren etwa auch Karl Horak, Raimund Zoder und andere Forscherpersönlichkeiten vereinzelt aktiv? Wer waren die lokalen Initiatoren? Was zeichneten sie auf und wie gingen sie vor? Anfang der 1990er Jahre unternahm Monika Kopf schließlich gemeinsam mit Klaus Fillafer eine Feldforschung im Kleinen Walsertal. Die Ergebnisse sind bis heute nicht ausgewertet.

Als ein speziell Vorarlberg und auch Wien betreffender Interessensschwerpunkt kann die Frage nach der Rolle von Volkstanz innerhalb von BinnenmigrantInnen bezeichnet werden. So zählt etwa die „Landsmannschaft der Steirer in Vorarlberg“ Volkstanz bzw. „Steirisch Tanzen“ zu ihren zentralen pflegerischen Interessensfeldern. Volkstanz wird in diesem Zusammenhang eine andere Rolle zugesprochen, als etwa in Trachtenvereinen oder Tanzkreisen. Verändert sich der Tanz dadurch? Wenn ja, wie und welche sind die maßgeblichen verändernden Faktoren? Welche Bedeutungen werden Volkstänzen dabei zugesprochen? Welche Tänze werden getanzt? Gibt es tatsächliche Kontakte zur früheren Heimat oder nur gedachte? Wird der Volkstanz auf emotionaler Ebene zu einer Ersatzheimat? Welche Funktionen erfüllen die pflegerischen Ambitionen für die MigrantInnen selbst? Diese Fragen sind auch im Zusammenhang mit transnationalen Migrationen zu stellen, etwa im Bereich der Südtiroler Aussiedler Anfang der 1940er Jahre oder den Trentinern, die im Rahmen des Arlbergbahnbaues nach Vorarlberg kamen.

Eine umfassende kulturgeschichtliche Erforschung des institutionalisierten Volkstanzes ist bis jetzt für Vorarlberg ausständig. Gut dargestellt ist bisher etwa die Geschichte der „Tanzhäuser“, auch „Tanzlauben“ genannt, und auch die Zusammenhänge vor Einsetzen pflegerischer Tätigkeit rund um die Thematik Tanzverbote und –gebote von geistlicher und weltlicher Obrigkeit. Die Musiksammlung im Landesarchiv Vorarlberg hat seit etwa fünf Jahren „Dokumentation des Tanzes“ als Arbeitsschwerpunkt. In diesem Zusammenhang sind bisher bereits unter Kooperation mit dem Trachtenverband und der BAG Österreichischer Volkstanz eine CD und einzelne Publikationen erschienen. Das in der Musiksammlung des Landesarchivs lagernde Volkstanzmaterial ist noch weitgehend unaufgearbeitet. Die Leiterin Dr. Annemarie Bösch-Niederer arbeitet derzeit an einer Tanz-Bibliographie, die im Rahmen dieses Projektes publiziert werden soll. Ebenso von Interesse ist die Darstellung der Sammlung Schmitt, die in einem weiteren Beitrag von Bösch-Niederer integriert werden wird. Die Systematisierung der archivalischen Bestände und der Sekundärliteratur bietet eine unerlässliche Grundlage für weitere Forschungen und Recherchen.

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Projektleitung: Mag. Waltraud Froihofer.
Webmaster: Franz Fuchs.
Stand dieser Seite: 15. Mai 2007