Volkstanz Österreich LogoKulturgeschichte des Volkstanzes in Österreich und Südtirol. Ein Projekt der BAG.

Ziele

Zurück ] Nach oben ] Weiter ]

Home
Inhaltsverzeichnis

Das Projekt
Ziele
Bundesländer
Zeitplan
Beiträge
AutorInnen
Förderer
Links
Gästebuch
Impressum
BAG-Homepage

Die Publikation erfüllt mehrere Funktionen.

Volkstanz als kulturelles Erbe durch Darstellung und Dokumentation seiner Kulturgeschichte ins Blickfeld zu rücken, ist Hauptanliegen des Projektes.
Die Publikation stellt eine interdisziplinäre Diskussion der Volkstanzkultur dar (Soziologie, Europäische Ethnologie, Musikethnologie, Geschichtsforschung, Musikwissenschaft, Tanzwissenschaft) und versteht sich als eine Annäherung an den Volkstanzbegriff des 19./20. Jahrhunderts. Die Konstruierung und Tradierung von Wissen und Praxis stehen dabei im Vordergrund. Damit wollen wir eine Lücke in der Forschung schließen, zumal das letzte umfangreiche Werk zum Österreichischen Volkstanz 1951 erschien: Richard Wolframs Publikation „Die Volkstänze in Österreich und verwandte Tänze in Europa“ ist sowohl inhaltlich als auch methodisch neu zu befragen und aus gegenwärtiger wissenschaftlicher Sicht aufgrund seiner Provenienz auch problematisch. Ein Hinterfragen kulturgeschichtlicher Aspekte zum Thema „Volkstanz“ steht damit bis heute aus. Erstmals sollen umfangreiche Archiv-Recherchen gemacht werden, um die Entstehung der Volkstanzkultur im Zusammenhang eines geschichtlichen und gesamtgesellschaftlichen Kontexts erfassen zu können. Archivalische Quellen wurden bislang eher vernachlässigt in der Darstellung volkstänzerischer Themen. Die Frage nach der Rolle des Volkstanzes im Rahmen der volksbildnerischen Arbeit des Nationalsozialismus und einzelne daraus hervorgehende ideologische Fäden, die unthinterfragt bis in die Gegenwart der Volkstanzkultur reichen, stellt einen weiteren zentralen inhaltlichen Anknüpfungspunkt dar. Dieser inhaltliche Bereich liegt bis heute völlig im Dunkeln.
Ein zentrales Ziel ist es, Breitenwirksamkeit für den Volkstanz zu erlangen. Die Publikation/das Medium wendet sich daher über die Basiszielgruppe hinausgehend - die Volkstanz- und Trachtenvereinsgruppierungen, deren MultiplikatorInnen bzw. Gruppierungen, die denselben nahe stehen - an Studierende, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, und andere praktisch und inhaltlich interessierte NutzerInnen von Volkstanz im weitesten Sinne.
Impulse setzen: Nach außen soll das Bild von der Volkstanzkultur zurechtgerückt und positiv gestärkt werden, nachdem man sich vor allem als praktizierendeR TänzerIn immer wieder mit Vorbehalten, Vorurteilen und Unverständnis konfrontiert sieht. Die differenzierende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist einerseits Grundlage einer nachhaltigen positiven Imagestärkung der Volkstanzkultur und andererseits wichtig für die Zukunftsarbeit in den Organisationen. Auf Grund eines fehlenden, auf dem jüngsten wissenschaftlichen Stand befindlichen Basiswissens greifen Praktiker immer wieder auf veralterte Theoriekonzepte zurück und transportieren so unwissentlich Altlasten weiter. Oft ist es gerade das, was Nichtvolkstänzer (auch mögliche künftige Volkstänzer) befremdet.
Zukunftsorientierte Arbeit fördern: Das Projekt soll nach Innen eine bewusste Auseinandersetzung mit der Volkstanzgeschichte möglich machen. Durch die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, durch die Auseinandersetzung mit ihrer Dogmatik, ihren Konstrukten und durch die Bewusstmachung der ihr innewohnenden Strukturen erwarten wir ein neues, gesteigertes Verständnis für kreative und innovative Zugänge und Projekte im Volkstanzbereich. Der seit wenigen Jahren beobachtbare Demokratisierungsprozess im Volkstanzgeschehen sowie die Toleranz gegenüber alternativen Zugängen zu Volkstanz (d.h. Volkstanz abseits von Lehrbüchern und Dogmen) sollen gestärkt werden. Vor allem Zugänge Jugendlicher zu Traditionellem, spielerische Annäherung und Aneignung sollen als mögliche Varianten Akzeptanz finden können. Offenheit gegenüber fremden Kontexten zu fördern ist ein grundlegendes Anliegen der Publikation.
Beim Reden über „Volkstanz“ wird landläufig an das gedacht, was Trachtenvereine und Tanzkreise praktizieren. Darüber hinausgehend gab und gibt es auch andere Nutzungen dieses traditionellen Genres, die bisher kaum einer näheren Betrachtung unterzogen wurden. Ziel der Publikation soll es folglich auch sein, die Vielschichtigkeit und Multifunktionalität von Volkstanz zu dokumentieren und sichtbar zu machen.
In den Archiven ist das sehr reichhaltige Material der Feldforschungen des 20. Jahrhunderts (weitgehend ungenutzt) deponiert. Dieses gilt es aus seinem momentanen musealen Zustand hervorzuholen und wieder einer praktischen/didaktischen Nutzung zugänglich zu machen.
Über den praktischen Tanzbereich hinausgehend ist es das Ziel des Projektes, die Diskussion in den Kulturwissenschaften zur Thematik „Konstruktion und Tradierung volkskultureller Phänomene“ durch Miteinbeziehen neuer Perspektiven zu erweitern. Konstruierungs- und Überlieferungsvorgänge im Bereich der Kultur und damit verbundene Muster sollen an Hand der Volkstanzkultur herausgearbeitet werden. Die Volkstanzkultur als junge (20. Jh.) und bei näherer Betrachtung sehr komplexe kulturelle Erscheinung ist der ideale Analysegegenstand, da sie Traditionswahrung zu ihrem Hauptaufgabenfeld erklärte. Die politische, wissenschaftliche und gesamtgesellschaftliche Einflussnahme auf Tradierungsvorgänge und Tradierungsmuster und nicht zu vergessen auf den Volkstanz per se soll anschaulich und nachvollziehbar gemacht werden. Einerseits kann auf ein reichhaltiges archivalisches Quellenmaterial zurückgegriffen werden und andererseits verspricht der Zugang über Gewährspersonen interessante neue soziokulturelle Einblicke im Zusammenhang mit Tradierung. Tradierung als Prozess ist alles andere als harmonisch, unbeeinflusst und quasi von selbst passierend. Die Hintergründe und Auswirkungen dieser Vorgänge gilt es mit Hilfe kulturwissenschaftlicher Theorien und Methoden deutlich zu machen.
Nicht zuletzt geht es auch darum, volkstänzerische Ausdrucksweisen auf eine gesamtgesellschaftliche Ebene zu stellen und die Volkstanzkultur, als bislang in der wissenschaftlichen Forschung kaum berücksichtigten Bereich, unter den volkskulturellen Erscheinungen als wissenschaftlich interessanten Themenbereich zu etablieren. Damit wollen wir einen ersten Schritt Richtung Anschluss an die wissenschaftlich positionierte, internationale Tanzforschung setzen. Österreich hat hier Nachholbedarf.
Zurück zum Anfang

Projektleitung: Mag. Waltraud Froihofer.
Webmaster: Franz Fuchs.
Stand dieser Seite: 29. November 2007